Kinnen1959Eine erste Erwähnung des Altars der Kirche zu Rückeroth als Synonym für die Kirche und den Ort Rückeroth führt zurück in das Jahr 1239. Eine Urkunde des Fürstlich Wiedischen Archivs aus diesem Jahr umschreibt die Wiedische Grundherrschaft mit dem, was 1239 zum Pankratiusaltar gehörte, nämlich ein Teil der Burg Hartenfels usw. Rückeroth wird hier nicht wörtlich erwähnt, aber es besteht kein Zweifel daran, dass Rückeroth gemeint war (Gensicke: NA 66/1959). Der Pankratiusaltar war der damalige Inbegriff für den Wiedischen Hof oder Ort Rückeroth und die Wiedische Kirche in Rückeroth.

Eine weitere urkundliche Erwähnung der Rückerother Kirche finden wir 20 Jahre später in einer Erbschaftsurkunde der Grafen zu Wied aus dem Jahre 1259 (FWA 3-7-14a). Und wie hier nachzulesen ist, wurde die Urkunde zu „Ehren des Altars des Heiligen Pankratius in Rückeroth“ verfasst. In diesem Sinne ist wieder das Wort Altar, jetzt aber in wörtlicher Verbindung mit Rückeroth, ein Synonym für die dem Heiligen Pakratius geweihte Kirche in Rückeroth in der (damaligen) Grafschaft Wied.

Das Aussehen der Altäre unserer Kirche in den frühen Jahren ist unbekannt.

Auch von den späteren Altären unserer Kirche gibt es wenig Kunde.

In einer weiteren Urkunde des Fürstlich Wiedischen Archivs (FWA 65-4-1) erfahren wir vom Schicksal eines Altars der Rückerother Kirche im 17. Jahrhundert:

Von 1688 bis 1697 fand der Pfälzische Erbfolgekrieg, auch Neunjähriger Krieg genannt, statt. Es handelte sich um einen Eroberungskrieg Ludwigs XIV in der Pfalz. Dabei waren auch kurbayerische und pfalz-neuburgische Truppen marodierend durch unser Kirchspiel gezogen. Sie raubten in unserer Kirche wertvolle liturgische Geräte und verbrannten die Kanzel, den Abendmahlstisch (Altar) und die Bänke der Kirche.

Im 20. Jahrhundert wurde unsere Kirche wiederum in Mitleidenschaft gezogen, als amerikanische Truppen am 26.03.1945 von Marienrachdorf kommend durch Rückeroth zogen, um die Wehrmacht auf dem Rückzug zu verfolgen und ihren Widerstand zu brechen. Panzergranaten trafen dabei auch die Kirche.

Jahre danach, als Pfarrer Görnert aus dem Krieg zurückgekehrt war und den Pfarrdienst wieder aufnahm, organisierte er zusammen mit dem damaligen Kirchenvorstand die Reparatur und Innenrenovierung der Kirche.

Es ist die Geburtsstunde unseres wieder heimgekehrten Marmor-Altars.

Rückeroth war am 26.03.1945 von den Amerikanern militärisch besetzt worden und wurde wenige Wochen später der französischen Militärbehörde übergeben.

Am 18.03.1946 erhält Pfarrer Görnert (in der Französischen Zone) auf Anfrage vom NASSAUISCHEN MARMORWERK IN VILLMAR AN DER LAHN (in der Amerikanischen Zone) ein Angebot über einen polierten Marmoraltar mit Mensa, zwei Säulen, einem Kreuz mit Sockel usw. in „Schuppach schwarz mit weißen Adern“ für 2606 Reichsmark. Am 04.04.1946 nimmt der Rückerother Kirchenvorstand dieses Angebot an, um erst danach, d. h. am 21.05.1946 die zuständige Denkmalsbehörde, den Provinzialkonservator, Herrn Dr. Bornheim, zu informieren.

Damit hatten Pfr. Görnert und der Kirchenvorstand „die Rechnung ohne den Wirt“ gemacht.

In mehreren Schreiben bittet Pfr. Görnert danach die Denkmalsbehörde um Zustimmung, was diese verweigert. Nach einem weiteren Schreiben vom 23.01.1947 kommt es zum Konflikt, der Pfr. Görnert seitens seiner vorgesetzten Behörde, der „Vorläufigen Leitung der Ev. Kirche in Nassau“ eine Rüge einbrachte, ohne Pfr. Görnert vorher angehört zu haben.

Hiergegen verwahrt sich Pfr. Görnert in einem Schreiben an die „Vorläufige Leitung der Ev. Kirche in Hessen“. Im Einzelnen führt er dazu aus, zu Recht das Verhalten von Herrn Dr. Bornheim, der es bis dato unterlassen hatte, das von dem Kirchenvorstand erbeten Gutachten zum bestellten Altar zu fertigen, auf schärfste verurteilt zu haben und ihm dabei auch Interessenlosigkeit und Mangel an Verantwortungsgefühl vorgeworfen zu haben.

Pfr. Görnert rechtfertigt sein Verhalten auch damit, dass die beabsichtigte Anschaffung des Altars und die Innenrenovierung der Kirche auf Spendengeldern und Sachspenden (von den Franzosen kontingentierte Baustoffe) beruht.

Den Geldspenden drohte die Geldentwertung (Inflation) der Nachkriegszeit und den Sachspenden der Verderb durch zu langes Lagern.

Am 27.08.1947 schließlich entsendet Herr Dr. Bornheim seinen Mitarbeiter, Herrn Merian, nach Rückeroth, wo der mit Auflagen und Änderungen sowohl den Altar als auch die Innenrenovierung genehmigt. Es folgte sodann unverzüglich die Bauausführung.

Und bei der 1992/1993er Renovierung waren der Marmoraltar (und die Trachytkanzel aus dem Jahre 1959) für die Denkmalsbehörde vermutlich wieder „Stein des Anstoßes“ und mussten entfernt werden.

Der Marmoraltar aus echtem Schuppacher Lahnmarmor in schwarz mit weißen Einschlüssen wurde von der Fa. Bell in Selters verwahrt und zunächst vergessen.IMG 6474

Bei meinen Recherchen zur Rückerother Chronik 2009 erhielt ich erstmals den Hinweis auf seinen vermutlichen Aufenthaltsort. Auch dies geriet bei mir zunächst wieder in Vergessenheit, bis ich mich dessen im Jahre 2016 wieder erinnerte und bei der Fa. Bell recherchierte. Dabei fand ich den Altar mit Mensa, Kreuz und Sockel, aber ohne Säulen und Rückwand.

Zusammen mit Claus Müller aus Rückeroth sicherten wir diese Teile, nachdem Herr Bell sein Einverständnis erklärt hatte. Eine Unterhaltung zwischen Claus Müller und dem früheren Pfarrer in Rückeroth, Werner Schleifenbaum, brachte zu Tage, dass Pfr. Schleifenbaum die beiden Säulen beim Abtransport des Altars aus der Kirche in Verwahrung genommen hatte. Diese glücklichen Umstände ermöglichten die Heimkehr des soweit wieder kompletten Altars nach Rückeroth, wo er zwischenzeitlich im Pfarrhof einen Ehrenplatz bekommen hat und beim  „Kirchweihfest“ 2016, sprich Kirmes, bei einem Openair-Gottesdienst seiner Bestimmung übergeben werden wurde.

 

Sie haben die evangelische Kirchengemeinde Rückeroth erreicht. Zu ihr gehören die Ortschaften Maroth, Marienhausen, Marienrachdorf, Krümmel, Goddert, Herschbach und Rückeroth.

In Rückeroth, Herschbach und Goddert finden regelmäßig Gottesdienste statt, 

...sonntäglich in der Andreaskirche Herschbach (Peter-Klöckner-Strasse 1), in Rückeroth in der St. Pankratius Kirche (Hauptstrasse).

...an großen Feststagen des Kirchenjahres auch in Goddert im Dorfgemeinschaftshaus.

 

Unsere Gemeinde zählt 1355 Mitglieder.

 

Wir freuen uns über einen vergleichsweise

guten Gottesdienstbesuch.

Unser Gemeindeaufbauverein MB2W gibt dem Gemeindeleben neue Impulse.

Auch Sie sind bei uns herzlich willkommen.

Peter Boucsein kehrt in den Westerwald zurück

Boucsein 10kWesterwaldkreis. Für Peter Boucsein schließt sich ein Kreis: Der Pfarrer ist in den Westerwald zurückgekehrt. Zwar nicht nach Montabaur, wo er von 1983 bis 2009 die Evangelische Kirchengemeinde betreute, sondern nach Rückeroth; etwas abseits von der großen Kreisstadt. Trotzdem verbindet Boucsein mit diesem Ort viele Erinnerungen und wird bei seinem Einführungsgottesdienst in der Rückerother Kirche mit offenen Armen empfangen. Fast wie ein alter Freund, der eigentlich nie ganz weg war.
Die Rückerother sind froh über ihren „Neuen". Nicht nur, weil der die rund anderthalb Jahre währende Vakanz beendet. Sondern weil sie wissen, welche wichtigen Impulse Boucsein im Westerwald gesetzt hat: als Gemeindepfarrer in Montabaur und als einer der Gründer des Vereins „Missionarische Basis Westerwald", der noch heute unter anderem die Arbeit der Herschbacher Gemeindeleiter Michael und Katrin Kleck finanziert.
2010 folgt dann der Wechsel nach Wiesbaden. Ein – um es vorsichtig zu formulieren – Kontrast zu seiner Stelle in Montabaur. Denn das Stadtviertel, in dem Boucsein nun arbeitet, gehört zu den ärmsten in Wiesbaden und ist ein Sammelbecken für Menschen aus fast 70 Nationen. Boucsein schafft es in den kommenden Jahren trotzdem, das Evangelium so zu verkünden, dass es die Menschen erreicht, anspricht und berührt. „Peter Boucsein liegt die Theologie der Gastfreundschaft am Herzen. In Wiesbaden hat er sie immer wieder in die Tat umgesetzt", erzählt Dekan Wolfgang Weik während des Einführungsgottesdienstes. „Er hat den Dialog mit anderen Religionen gesucht und gemeinsame Gottesdienste mit den unterschiedlichsten christlichen Konfessionen gefeiert", sagt der Dekan und hofft, dass sich Boucsein die Gastfreundschaft auch in Rückeroth bewahrt - „und dass er uns mit seiner Offenheit und dem Vertrauen auf Gott ansteckt".
Dass Boucsein ein Freund offener Worte ist, beweist er während seiner Predigt. In ruhigen, aber eindringlichen Worten erteilt er all denen eine klipp und klare Absage, die das Reich Gottes mit Gewalt verbreiten wollen – in welcher Religion auch immer. „Jesus würde nie eine Bibel nehmen und andere damit erschlagen. Stattdessen sagt er: ,Liebt Eure Feinde!'. Das Reich Gottes ist Liebe, weil Gott die Liebe ist. So einfach ist das mit dem christlichen Glauben", sagt er. „Für uns bedeutet das: Miteinander wach, aufmerksam und nüchtern sein. Ohne Ideologien. Ohne materialistischem Wahn zum Opfer zu fallen. Und ohne Political Correctness, in der vieles oft beschönigt und verschwiegen wird."Boucseink
Stattdessen wünscht Boucsein seinen Zuhörern, zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit zu suchen. „Wir können Barmherzigkeit üben – zum Beispiel an den vielen Flüchtlingen im Westerwald. Wir können einem Leitbild folgen, das sich gut am Wörtchen ,einander' festmachen lässt: einander ehren, einander annehmen, einander dienen, kümmern, vergeben, Gutes tun, einander Mut machen, Verfehlungen bekennen, miteinander beten."
Im Westerwald schließt sich für Peter Boucsein nun also ein Kreis, der hier vor rund 30 Jahren seinen Anfang genommen hat. Und obwohl es die wahrscheinlich letzte Station vor seinem Ruhestand ist: Zufrieden geben will sich der neue Rückerother Pfarrer noch lange nicht: „Die aufrichtige Liebe untereinander – das ist ein großes Programm für die Gemeinde. Bis wir liebesfähig sind, ist es noch ein weiter Weg. Und keiner soll behaupten, er wäre schon am Ziel. Aber wenn wir uns gemeinsam auf diesen Weg machen, sorgt Gott unterwegs für die Verpflegung und lässt keinen zu kurz kommen." (bon)

Peter Bongard
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Dekanat Selters
Saynstraße 4
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Telefon: 02626/924 416
Fax: 02626/924 417

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Montag, 01. August 2016 19:30 - 21:30
Englischsprachiger Hauskreis in Rückeroth